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Momentan vergeht kaum eine Woche, in der nicht über die Elektrotrottinette, sogenannte E-Scooter in der Presse geschrieben oder über Veloverleihsysteme in der Berner Politik debattiert wird. Die Diskussion ist leider eher negativ geprägt. Das ist schade, denn die geteilte Mobilität erfreut sich seit wenigen Jahren einem enormen Aufwind und das ist auch gut so. Seit mehr als zehn Jahren bin ich Genossenschafter von Mobility und verfüge über kein eigenes Auto mehr. Für mich ist eine kombinierte Mobilität aus verschiedenen Verkehrsmitteln die Ideallösung. Und entsprechend freue ich mich, dass es nun nicht nur das Auto, das eigene Velo und die öffentlichen Verkehrsmittel gibt. In Zürich kann ich auch auf einen Roller von Mobility ausweichen, in Berlin nehme ich mir ein Leihvelo und in den Ferien habe ich auch schon E-Scooter schätzen gelernt. Gerade diese E-Scooter sind zweifelsohne noch nicht der richtige Lösungsansatz. Das Stadtbild profitiert nicht von den herumstehenden grünen, roten und schwarzen Flitzern. Die Unfallgefahr ist gross und die Allgemeinheit übernimmt zumeist die Heilungskosten. Und auch ökologisch sind die Dinger quatsch, haben sie scheinbar eine Lebensdauer von nur wenigen Monaten, bevor sie zu Elektroschrott werden. Aber ich vermute, dass wir erst am Anfang einer grundlegenden Verhaltensänderung bezüglich Mobilität sind und da gibt es auch Konzepte, welche sich bald ökologisch, ökonomisch oder auch gesellschaftlich als unklug erweisen und wieder verschwinden. Ohne diese Versuche können keine klugen Systeme entstehen. Die Regulierung hinkt hintennach, jedoch macht sie das immer bei solch grossen Änderungen. Das ist nicht weiter schlimm. Schlimm ist einzig, wenn dieser Fortschritt gar nicht zugelassen wird, wie es das momentan in der Stadt Bern der Fall ist. Dass mit „Velo Bern“ nur gerade ein Anbieter unsere Mobilität weiterentwickeln darf und es hierbei mit „PubliBike“ noch um einen Anbieter eines Staatsbetriebes geht, ist unverständlich. Viel grotesker wird die Sache, wenn man beachtet, dass zuerst mit einem Dumping-Angebot Konkurrenten aus der freien Wirtschaft ausgestochen wurden und nun nach nur zweieinhalb Jahren die Diskussion über die Art des Fortbestehens eröffnet wurde, da der Betrieb stark defizitär sei. Ich hoffe, die Stadt Bern kommt nicht auf die Idee, diesen Staatsbetrieb finanziell zusätzlich zu alimentieren und macht stattdessen das Gegenteil: den Markt öffnen, verbindliche Regeln für alle Anbieter erlassen und vor allem in die Verkehrsinfrastruktur investieren. Velowege werden immer mehr zu Spuren für den (geteilten) Kurzdistanz-Individualverkehr, sei das für Velos, E-Scooter (auch private!) oder andere Fortbewegungsmittel. Diese Spuren müssen von den Autospuren abgetrennt werden, um die Sicherheit aller zu gewährleisten. Viele Europäische Städte machen es vor: Velowege am Rand der Strasse ohne Niveauunterschied sollten nicht mehr gebaut werden, denn das ist viel zu gefährlich. Komisch, dass eine Stadt wie Bern, welche sich „Velohauptstadt“ nennt, hier so hinterher hinkt. Wir sind erst am Anfang eines Umbruchs bezüglich Mobilität. Aber wir sind bereits jetzt im Rückstand, obwohl ganz klar ist, dass geteilte Mobilität die Zukunft ist. Wir wissen noch nicht, wie sie schlussendlich ausgestaltet sein wird, aber wir wissen bereits jetzt, dass sie in urbanen Gebieten immer wichtiger wird. Und hierfür müssen wir jetzt regulatorisch und in Sachen Infrastruktur die Rahmenbedingungen setzen, respektive verbessern.